Ablauf

Ein geordneter Ablauf ist für eine langfristige Pflegefamilienplatzierung bei Trial-Interventionen unerlässlich, insbesondere der Aufnahmephase kommt grosse Bedeutung zu. In Anlehnung an die Standards des Kantonalen Jugendamtes Bern für die Unterbringung und Betreuung von Kindern ausserhalb ihrer Herkunftsfamilie von 2013 unterscheiden wir drei Phasen:

1. Aufnahmephase

  • Telefonischer Kontakt
    Mit einer telefonischen Anfrage kontaktiert die zuständige Behörde Trial-Interventionen. Trial benötigt die umfassenden Informationen zum Kind. Dabei wird die Passung mit den Bedürfnissen des Kindes und den Möglichkeiten der Pflegefamilie soweit wie möglich abgeschätzt.
     
  • Auftragsgespräch
    Im Auftragsgespräch werden mit dem Jugendlichen, seinen Eltern, der zuständigen Behörde die Gründe für die Platzierung, die Zielsetzungen, die Dauer und Rückkehrpläne, die Schulsituation und eine individuelle Hausordnung besprochen. Ein Gesuch zur Aufnahme des betroffenen Pflegekindes muss im Voraus an die KESB und die Pflegekinderaufsicht geschickt werden.
     
  • Besichtigung
    Die Pflegefamilie wird mit dem Kind und seinen Eltern zusammen besichtigt und es findet ein erstes gegenseitiges Kennenlernen mit Begleitung von Trial statt. Diese Besichtigung wird von Seiten des Kindes und seinen Eltern, sowie der Pflegefamilie bereits ausgewertet und es braucht einen Entscheid, ob eine Aufnahme in Frage kommt.
     
  • Schnuppern
    Eine Schnupperzeit von befristeter Dauer kann abgemacht werden, um für das Kind und die Pflegefamilie noch eine bessere Entscheidungsgrundlage zu haben. Bei Kleinkindern braucht es hier teilweise eine durch die Eltern begleitete Eingewöhungszeit.
     
  • Eintritt
    Der definitive Eintritt erfolgt mit den rechtlichen und finanziellen Grundlagen, der Bewilligung für die Pflegefamilie von der KESB und den geklärten Punkten wie:

    • Besuchs- und Kontaktregelung bei Wochenenden und Ferien. Damit Pflegekinder sich längerfristig in eine Pflegefamilie integrieren können, ist eine Teilnahme an den Aktivitäten der Pflegefamilie auch an ca. zwei Wochenenden pro Monat und in gewissen Ferienwochen hilfreich.
    • Klärung von Anschaffungen für Kleider, Hygieneartikel und Coiffeur
    • Kommunikationswege, Verantwortlichkeiten, Rollen
    • Beschwerdewege für Eltern und Kind
    • Allfällige Einschulung

2. Betreuungsphase

  • Integration
    Die erste Zeit in der Pflegefamilie gilt dem gegenseitigen Kennenlernen. Das Pflegekind lernt die Regeln und die Abläufe der Pflegefamilie im Alltag kennen. Die Pflegefamilie erlebt das Pflegekind mit seinen Verhaltensweisen und muss sich an diese Themen anpassen. Die oberste Regel ist die gegenseitige Achtung und der gegenseitige respektvolle Umgang. Das Kind richtet sich in seinem Zimmer ein. Die Bezugsperson von Trial unterstützt die Pflegefamilie und das Pflegekind in dieser Beziehungsgestaltung.
     
  • Schule
    Die Schule oder die berufliche Ausbildung stehen im Zentrum des Aufenthaltes. Zu diesem Zweck stehen die Pflegefamilie und Trial in Kontakt mit den Lehrkräften oder dem Lehrbetrieb. Die Eltern werden über Vorkommnisse in der Schule oder in der Ausbildung orientiert und nehmen an den Elterngesprächen in der Schule teil.
     
  • Besondere Bedürfnisse eines Pflegekindes
    Das Aufwachsen in einer Pflegefamilie führt zu erweiterten Aufträgen. Die altersbedingten Entwicklungsaufgaben sind oft mit zusätzlichen Anforderungen an das Kind und die Pflegefamilie kombiniert wie z.B. bei der Identitätsfindung, Autonomiebestrebung, eigener Biographie oder dem Gefühl von Zugehörigkeit und Verbundenheit. Oft kommen weitere individuelle Themen des Kindes dazu, wie anspruchsvolles Temperament, Bindungsschwierigkeiten, ADHS, psychische Schwierigkeiten, Traumatisierung o.a.. Neben der Begleitung der Pflegefamilie und des Pflegekindes im alltäglichen Umgang damit, kann externe therapeutische Unterstützung notwendig sein.
     
  • Kontakt zur Familie
    Die Pflegekinder sollen Kontakt zu ihrer Familie weiterhin direkt halten. Die Eltern werden von Trial über den Verlauf informiert und werden in wichtige Entscheidungen einbezogen. Wo möglich soll die Verantwortung bei den leiblichen Eltern bleiben. Gemäss einem Wochenend- und Ferienplan gehen die Kinder nach Hause. Dies dient zur Kontaktpflege zur eigenen Familie und entlastet punktuell auch die Pflegefamilien. Falls längerfristig keine Wochenenden und Ferien zu Hause verbracht werden können, müsste ein zusätzlicher Entlastungsplatz in Betracht gezogen werden.
     
  • Standortgespräche
    Es finden regelmässige Standortgespräche statt, um den bisherigen Verlauf auszuwerten und die bevorstehenden Schritte gemeinsam zu planen. Diese Beschlüsse aus Stao’s werden im Rahmen der regelmässigen Berichte festgehalten.

3. Austrittsphase

  • Austrittsgespräch
    Im Rahmen der Standortsitzung wird der Austritt geplant und umgesetzt. Der Abschlussbericht fasst den Verlauf der Platzierung zusammen. Die Form der späteren gegenseitigen Kontaktpflege zwischen ehemaligem Pflegekind und der ehemaligen Pflegefamilie soll geklärt werden.
     
  • Abschied
    In der Austrittsphase soll das Kind sich von der Pflegefamilie passend verabschieden können und auch die Pflegefamilie geht in einen Ablösungsprozess. Mit einem Fest oder einer anderen passenden Aktivität soll der Abschluss der Platzierung gewürdigt werden.
     
  • Nachbetreuung
    Teilweise kann Familienbegleitung die Herkunftsfamilie bei der Rückkehr des Kindes in die Familie unterstützen. Die Familie wird in einer befristeten Übergangszeit begleitet.